Gegen Rechtsradikalismus

FARN: Radikalisierungsprävention im Naturschutz
Völkisch-nationalistische und rechtsextreme Ideologien im Umwelt- und Naturschutz gehören leider nicht der Vergangenheit an, sondern stellen nach wie vor ein nicht zu unterschätzendes Problem dar. Deshalb haben die NaturFreunde und die Naturfreundejugend Deutschlands eine gemeinsame Fachstelle für Radikalisierungsprävention im Naturschutz aufgebaut.

Die Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN) untersucht die historischen und aktuellen Verknüpfungen des deutschen Natur- und Umweltschutzes mit extrem rechten und völkischen Strömungen.

Hier werden rechte und völkische Strömungen im Natur- und Umweltschutz identifiziert und mithilfe aktiver Bildungsarbeit die Radikalisierung insbesondere von Kindern und Jugendlichen, die sich im Umweltschutz engagieren, verhindert. Gefördert wird diese Arbeit durch das Programm „Demokratie leben“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das Ziel: Engagement im Naturschutz muss Hand in Hand gehen mit dem Engagement für Demokratie und Menschenrechte.

Seit Jahren engagieren sich Einzelpersonen und Gruppen aus dem rechtsextremen Spektrum gegen Atomenergie und Gentechnik, für Tierschutz und Biolandwirtschaft. Für viele Menschen passt das nicht zusammen: Sie verorten Natur- und Umweltschutz eher im linkspolitischen Spektrum. Dabei ist rechtes Gedankengut im Naturschutz keineswegs ein neues Phänomen. Der deutsche Naturschutz hat eine lange Geschichte, die eng mit den Ideologien des NS-Regimes verwoben ist und noch nicht umfassend aufgearbeitet wurde.

 Das Reichsnaturschutzgesetz von 1935, das nach wie vor stolz als das erste seiner Art bezeichnet wird, hatte mit seiner völkischen Ideologie Anteil an der Vertreibungs- und Vernichtungspolitik der Nazis. Es besaß – mit wenigen Änderungen – noch bis 1976 Gültigkeit. Auch personell werden immer wieder Vordenker des Naturschutzes gelobt, die weit mehr als sogenannte „Mitläufer“ des NS-Regimes waren (unter anderem Konrad Lorenz, Alwin Seifert, Reinhold Tüxen, Wolfgang Tischler). Es ist also viel Braunes im Grünen erhalten geblieben.

So werden zum Beispiel Natur, Landschaft und Heimat oft zusammengedacht, nicht nur bei den Rechten. Bei ihnen vielleicht nur in überspitzter Form: Das eine lasse sich nicht ohne das andere bewahren. Der deutsche Wald kann nur geschützt werden, wenn das deutsche Volk geschützt wird – vor dem Fremden. Die deutsche Natur ist nur gesund, wenn auch der Volkskörper gesund ist. Die Welt kann nur gerettet werden, wenn wir der Überbevölkerung Herr werden. Überbevölkerung ist immer woanders. Nicht bei uns.

Mit dem rechten „Naturschutz“ sind oft auch demokratiefeindliche und menschenverachtende Inhalte verknüpft. Sie sind nicht immer sofort sichtbar und gelangen so „unter falscher Flagge“ in die Mitte der Gesellschaft und in die Politik. Über Heimat darf wieder gesprochen werden, versteckte Biopolitik (Familienplanung) gehört längst zum Repertoire der deutschen Entwicklungspolitik. Die neuen und alten Rechten besetzen populäre Forderungen mit ihren menschenverachtenden Inhalten neu und verbreiten so unter dem Deckmäntelchen des Naturschutzes ihre Ideologien. Dem gilt es entgegenzutreten.
Argumente gegen Stammtischparolen
Nachfolgende Veröffentlichungen können durch Anklicken der Symbole als PDF-File heruntergeladen werden
Die Geschichte des deutschen Naturschutzes ist vielfältig und erfolgreich, hat aber auch dunkle Abschnitte. So wurde der Naturschutz in Deutschland seit seiner Entstehung auch als „Heimatschutz“ von antisemitischen und völkischen Strömungen mitgeprägt. Heute engagieren sich Rechtsextreme im Natur- und Umweltschutz sowohl strategisch, um die bürgerliche Mitte zu erreichen, als auch aus Überzeugung. Denn für sie gehören Natur, Heimat und Volk zusammen – angelehnt an die „Blut-und-Boden“- Ideologie der Nationalsozialisten – und können auch nur als Ganzes geschützt und erhalten werden.
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist nicht nur ein Phänomen des Rechtsextremismus. Rassistische, sexistische, behindertenfeindliche und andere menschenverachtende Haltungen, Strukturen und Handlungen finden sich überall in unserer Gesellschaft. Folglich ist der Natur- und Umweltschutz hiervon nicht ausgenommen. Auch hier finden sich Denkmodelle und Vorgehensweisen, die den Grundsätzen der Demokratie (zum Beispiel Minderheitenschutz, Achtung der Menschenrechte) zuwiderlaufen. Meist geschieht dies unwissentlich und unabsichtlich.

Die vorliegende Broschüre richtet sich an Aktive im Natur- und Umweltschutz. Sie präsentiert den Leser*innen Debattenbeiträge von verschiedenen Autor*innen zu Aspekten Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im Natur- und Umweltschutz. Gleichzeitig gibt sie Denkanstöße und eröffnet Perspektiven, wie demokratiefördernder und menschenrechtsbejahender Natur- und Umweltschutz gestaltet werden könnte
.
Naturschutz ist ein Kernthema des rechtsextremen Weltbildes. Rechtsextreme Gruppierungen und Akteur*innen bedienen sich dementsprechend ökologischer Themen, um ihre Forderungen in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Dabei werden manche Formulierungen harmlos verpackt und sollen die menschenverachtenden Absichten verdecken. Andere Formulierungen hingegen beinhalten Verschwörungstheorien und nationalistische Mythen. Doch wie genau erkennt man rechtsextreme Motive? Was lässt sich diesen entgegnen?

Der Leitfaden „Wenn Rechtsextreme von Naturschutz reden – Argumente und Mythen“ gibt eine Hilfestellung für das Entlarven rechtsextremer Denkmuster im Natur- und Umweltschutz und liefert Gegenargumente. So entpuppt sich die Ablehnung von Gentechnik von Seiten rechtsextremer Gruppierungen als Angst vor der Schädigung des „Volkskörpers“ und vor einer vermeintlichen „jüdischen Weltelite“. Und hinter der Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe steht dann ein extremer Nationalismus mit dem Wunsch nach Autarkie und der Unabhängigkeit von anderen Staaten.
Die Broschüre richtet sich an junge Menschen, die bereits im Natur- und Umweltschutz aktiv sind – oder es werden wollen. Und zwar in einem Natur- und Umweltschutz, der nicht an nationalen Grenzen haltmacht, sondern ein Gutes Leben für alle Menschen will. Einem Natur- und Umweltschutz, der vielfältig ist statt ausgrenzend.

Das ist leider nicht selbstverständlich. Zwar wird Engagement im Natur- und Umweltschutz gemeinhin mit progressivem Denken und dem Einsatz für die Menschenrechte verbunden, aber das trifft nicht immer zu. Auch die nationalistische, völkische Rechte setzt sich für den Schutz der Umwelt, der Natur und – bei ihr ganz wichtig – der Heimat ein. Sie will das Thema Umwelt- und Naturschutz „zurückerobern“. Allerdings ist bei ihr dieses Engagement verbunden mit Menschen- und Demokratiefeindlichkeit.

Deshalb ist es notwendig, genau hinzuschauen, warum und mit welchem Ziel sich eine Person oder Gruppe für ökologischen Landbau oder gegen Gentechnik einsetzt, bevor man sie unterstützt oder mit ihr kooperiert. Denn der Verzicht auf Demokratie und Menschenrechte kann und darf nicht der Preis für Natur- und Umweltschutz sein.


Share by: